Vor dem Theaterstück erhielten wir eine Werkseinführung, damit man die Handlung des Stückes besser biografisch, politisch und religiös einordnen konnte. Der Autor des Bühnenstücks stammt selbst aus dem Libanon und musste aufgrund des Bürgerkriegs fliehen. Seine Erlebnisse sind auch in sein Werk eingeflossen.
Das Stück beginnt mit einer Testamentseröffnung, bei der die Erben, zwei erwachsenen Kinder, Briefe ihrer verstorbenen Mutter erhalten, die aber nicht für sie selbst sondern für den totgeglaubten Vater und einen unbekannten Bruder gedacht sind. Sie sollen die beiden finden und den jeweiligen Brief übergeben. Da das Verhältnis zwischen der Verstorbenen und ihren Kindern nicht einfach und sehr distanziert war, ist die Auseinandersetzung der beiden mit der Vergangenheit ihrer Mutter ein emotional sehr schwieriger Weg, der ihr Leben völlig aus den Bahnen wirft. Auf der Suche nach der Wahrheit zwischen all der unfassbaren Gewalt in einem Bürgerkrieg und den lebenslangen Folgen der Erlebnisse erfahren die Zwillinge die wahre Geschichte ihrer Mutter und die wahren Umstände ihrer eigenen Herkunft.
Das Stück wurde im Studio des Theaters Hof, einem kleinen Raum mit knapp 100 Plätzen aufgeführt, sodass man ganz nah am Geschehen dabei sein konnte. Durch den Einsatz von Geräuschen, Schauspielauftritten und Effekten über den ganzen Raum verteilt, war man als Zuschauer in der Handlung mittendrin. Durch sehr tiefergreifende, emotionale Monologe über die Geschehnisse aus dem Krieg und die darin enthaltene sinnlose und unfassbare Gewalt, die sich Menschen gegenseitig antaten und leider auch aktuelle immer wieder antun, konnten wir als Zuschauer die bedrückende Stimmung am ganzen Körper spüren.
Das Thema Krieg, Vertreibung und Flucht wurde durch diesen Theaterabend für die Schüler erfahrbarer vermittelt, als es in der Schule in einem Klassenzimmer möglich ist. Es war ein ergreifender und emotional aufwühlender Abend, der einem als Zuschauer auch vermittelt hat, dass wir in unserem „sicheren“ Leben unsere Probleme doch eher als gering einstufen können.








